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10. August 2014Grufties

Jeder hat in seinem Leben ja schon mehrere Phasen durchschritten, für die man sich hinterher entweder schämt oder mit einem Lächeln auf den Lippen drüber schmunzeln kann.
Ich bevorzuge die Schmunzelvariante.
An einem Dienstagabend in die früher jede Woche besuchte Disko zu gehen, schenkt mir für ein Stündchen das besagte Schmunzeln. In jener Disko treiben sich die dunkelsten, gefährlichsten und in den Sommerferien die jüngsten Gestalten herum. Gruftis nennen sie sich, oder auch Goths genannt, klingt „cooler“. Die hocken dann da in ihrem kleinen verschimmelten Kellerloch, trinken fröhlich ihren Absinth und sammeln am späten Abend die leeren Bierflaschen ein um sich ein Taxi nach Hause leisten zu können.
Man redet beherzt über die Bands, die man so hört und ominöse Namen tragen. Man stelle sich dabei vor, die Kapellen würden bei ihren Liveauftritten dreißig Liter Ochsenblut über ihr Publikum schütten und sich dabei freudig die Pulsadern aufschneiden. Dem ist jedoch nicht so, klärte man mich darüber auf.
Frauen in dieser Szene legen sich was ihre Abendoutfit betrifft mächtig ins Zeug, indem sie viel Wert darauf legen, eher wenig am Leibe zu tragen, was den pubertierenden HIM-Fan zum Erröten bringt und den zum Inventar gehörenden Allesmitnehmer innerlich ganz wuschig macht. Niedliche Accessoires wie Hundehalsbänder, Ketten aus dem Baumarkt und Samthandschuhe aus der Karstadtabteilung für Pietätanlässe gehören zu der Ausstattung selbstredend dazu. Die Männer geben sich teils lässig in dezentem Schwarz oder verfolgen den androgynen Look.
Nachdem nun auch ich eine Zeitlang in jener Szene verweilte und davon träumte, die neue und einzigartige Roberta Smith zu sein, zog es mich doch von dannen. Suizid war nicht so mein Ding, stellte ich fest, was nun zwar nicht grundlegend eine Voraussetzung für die Teilnahme an den düsteren Events war, aber trotz alle dem gut und gerne in etlichen lyrischen Ergüssen der Nachtvögel propagiert wurde.
Nach längerer Abstinenz erlaubte ich mir den Spaß, die Ortschaft des schwarz-bunten Völkchens zum wiederholten Male aufzusuchen. Schön war es, zu wissen, dass es im Leben tatsächlich Dinge gibt, auf die man sich verlassen kann. Der lange Dünne mit der Glatze steht immer noch am äußersten Eckpfeiler mit seinem Pils in der Hand, an der Bar redet man immer noch über Arsch und Friedrich, ja und selbst in der Musikwahl könne man meinen, der DJ würde all die Jahre einen Sampler einlegen und im Grunde nur so tun, als würde er auflegen. Schön, dachte ich mir; draußen kommt man den Veränderungen gar nicht mehr hinterher und hier in dem verrauchten Kellerloch ist alles noch beim Alten, so als wäre die Zeit stehen geblieben.




